Meine Stimme durchbrach dann die ungewohnte Stille und ich fragte sie, warum sie so schweigsam war. „Oma, glaubst du, dass es das Christkind wirklich gibt,“ fragte sie mich und noch bevor ich auf ihre Frage antworten konnte, sprach sie weiter: “Ich glaube, dass es das Christkind gibt. Oma, es ist immer da und kann uns sehen.“ Ich nickte ihr zu, verzichtete aber darauf ihre Erkenntnis zu kommentieren. Dann bat sie mich zu einem späteren Zeitpunkt frühstücken zu dürfen und verschwand Richtung Wohnzimmer. Ich trank die letzten Schlucke von meinem Tee und folgte ihr leise. Während ich im Türrahmen stehen blieb, stand sie am großen Wohnzimmerfenster und blickte in den Morgenhimmel.
Ich sehe mein Enkelkind am Fenster stehen,
denn sie liebt es in den Himmel zu sehen.
Die Wolken ziehen vorbei
und mit viel Fantasie
sieht sie darin wundersame Figuren entstehen.
Darin auch den Hund,
den sie sich so lange schon wünscht
und während seine flauschige Reise beginnt,
verbinden sich Worte,
ganz sacht und ganz leise,
begleiten das „Tier“ auf seiner Wolkenreise.
„Liebes Christkind,
ich weiß, dass es dich gibt!
Mache, das keine Bombe mehr fliegt.
Sag` mir wohin soll ich mit meinem Hund gehen
wenn hier Krieg ist und sie dann alles zerstören?“
Jetzt sehe ich in die Augen meiner Enkeltochter und mein Herz wird mir schwer. Die unbefangene Kindheit, über die ich in meinen Geschichten schreibe, wird sie so nicht erleben können. Erst kam die Pandemie, die sich wie ein Schatten über uns alle gelegt hat und jetzt der Krieg in der Ukraine, der die Angst auch zu uns trägt. Ich frage mich, was die Seelen unserer Kinder und Kindeskinder noch ertragen müssen. Die Herzen unserer aller Kinder sollen gefüllt sein mit Liebe und Freude und nicht mit Furcht und Zukunftsängsten.
27.02.2022
Heike
